Samstag, 14 Juni 2014 00:00

Kurzchronik des Musikvereins Wesenufer

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Wesenufer, bereits 1310 als Wesenurfar (Donauübergang, Übergang zu einem anderen Ufer) erstmals urkundlich erwähnt, bekam im Jahre 1582 von Kaiser Rudolf II. das Marktrecht verliehen. Der Donaumarkt war als Rast- und Umschlagplatz reisender Handels- und Kaufleute, vor allem aber der Schiffer und Flößer, der so genannten Schiffleut bekannt.

Angeregt durch das geschäftige Treiben dieser Leute, deren froher Gesang und das Spiel in den Gaststätten und Herbergen, gründeten der Schulleiter Wögerbauer und der Gastwirt Königseder im Jahre 1876 den Musikverein Wesenufer. Anton Königseder unterrichtete den anfangs 8 Mann starken Verein im Notenlesen und im Spiel auf verschiedenen Blasinstrumenten, besonders Begabte wurden auch auf der Geige ausgebildet. Das Notenmaterial wurde in Hofkirchen im Mühlkreis ausgeliehen und abgeschrieben. Nicht einmal ein Jahr nach Gründung des Vereins verstarb der Schulleiter Wögerbauer. Ein herber Schlag für den noch jungen Verein, der sich aber schon so weit empor gearbeitet hatte, dass man dem Gründungsmitglied bei der Beisetzung auf dem Ortsfriedhof in Putzleinsdorf musikalisch die letzte Ehre erweisen konnte.

Besondere musikalische Bedeutung wurde zur Jahrhundertwende dem Spiel zu Floriani, bei der Fronleichnamsprozession und besonders beim Geburts- und Namensfest von Kaiser Franz Josef I. beigemessen.

Durch den Neuankauf und der Reparatur verschiedener Instrumente in finanzielle Schwierigkeiten geraten beschloss der Musikverein 1909 dem Verband der Feuerwehr beizutreten.

Am 1. August 1914 beginnt der 1. Weltkrieg und der Musikverein spielt an der Schiffsanlegestelle in Wesenufer für die mit dem Dampfschiff nach Linz einrückenden Soldaten das Kaiserlied. Mathias Höller und Alois Dopler leisten ihren Dienst im Verband einer k.u.k. Militärmusik. Der Großteil der Mitglieder des Musikvereins wird jedoch der kämpfenden Truppe zugeteilt und nicht alle sehen die Heimat wieder.

In der Zwischenkriegszeit beginnt Mathias Höller mit dem Neuaufbau und man trennt sich 1924 wieder von der Feuerwehr um Eigenständigkeit zu beweisen. Gemeinsam wird aber noch ein Kriegerdenkmal errichtet.

Zum 50-jährigen Bestandsjubiläum im Jahre 1926 folgten zwölf Kapellen aus der Umgebung der Einladung des Jubelvereins. Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein Gesamtspiel unter der Leitung von Stabführer Alois Dopler. Ein Glückwunschtelegramm des damaligen Bundespräsidenten Michael Hainisch zeigt die Popularität des Musikvereins Wesenufer.

Nicht nur musikalisch wurde die Ortsbevölkerung unterhalten. Die Theater- und Schuhplattlergruppe des Musikvereins, von Gottfried Strasser und Alois Dopler 1922 gegründet, zeigte bei Festen und Veranstaltungen ihr Können.

In der Zeit zwischen 1938 und 1945 (2. Weltkrieg) wurde die Tätigkeit eingestellt. Mit Ende des 2. Weltkrieges wurden die versteckten Instrumente hervorgeholt und man begann wieder zu proben. Mit Konzerten und zahlreichen Ausrückungen beginnt ein Neuaufbau, an dem sich alle mit großem Einsatz beteiligen.

1950 nimmt der Musikverein Wesenufer zum ersten Mal an einem Wertungsspiel in Schärding teil und zu Beginn des Jahres 1952 wird man Mitglied des Österreichischen Blasmusikverbandes. Ehrgeiz und Ortsverbundenheit lassen Krisen überstehen und führen zu einem weiteren Aufschwung in den 60er Jahren. 1968 beteiligt sich die Kapelle zum ersten Mal an einer Marschwertung in Raab und wird ausgezeichnet bewertet. Geprobt wurde zu dieser Zeit in den Gasthäusern des Ortes, die man alle vier Monate wechselte.

Zum 100-jährigen Bestandsjubiläum im August 1977 zeigte sich die Musikkapelle Wesenufer zum ersten Mal in ihrer neuen Tracht. Eine wunderschöne Vereinsfahne, die der Musikverein vom deutschen Urlauberehepaar Käthe und Willi Parduhn geschenkt bekam, wurde bei diesen Feierlichkeiten gesegnet. Durch die Auflassung der Volksschule in Wesenufer wurden dem Musikverein noch im selben Jahre die beiden Klassenräume als Probelokal zur Verfügung gestellt. Die zu dieser Zeit abgehaltenen Weihnachtskonzerte waren bei der Ortsbevölkerung sehr beliebt und immer gut besucht. Der damalige Kulturreferent Sepp Reinthaler führte bei diesen Konzerten durch das Programm. Er wurde vom heutigen Ehrenobmann Hans Ratzenböck mit der Dokumentation der Geschichte und der Führung einer Vereinschronik betraut. Diese Chronik ist ein wichtiges Zeitdokument, dient als Nachschlagwerk und wird noch heute weitergeführt.

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte nimmt der Musikverein 1984 am internationalen Musikfest in Rastede teil. Vor der ungewohnten Kulisse von 12.000 Zusehern konnte in Marsch- und Konzertwertung eine Auszeichnung erreicht werden. Stabführer und Kapellmeister Josef Königseder erhielt für seine Leitung die Silbermedaille. Eine neuerliche Teilnahme an diesem Musikfest folgte 1992 unter Stabführer und Kapellmeister Manfred Haslböck.

Im Oktober 1986 ist Baubeginn für das Gemeinschaftsobjekt Feuerwehrzeughaus / Musikheim am Marktplatz in Wesenufer. Nach 20 Jahren Unterbrechung wird unter der Leitung von Helmut Kalinke und Axel Dopler die Theatergruppe wieder ins Leben gerufen und erste Aufführungen folgen. Im September 1990 ist die Eröffnung des lang ersehnten Musikheimes. Große Anstrengungen aller Musiker aber auch die Mithilfe der Ortsbevölkerung waren nötig um einen weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte zu realisieren.

Aufgrund steigender Anzahl aktiver Musiker wurde schließlich im Jahr 2012 nach den Plänen und unter der Leitung von Archivar Peter Leidinger das Probelokal vergrößert und den Anforderungen eines modernen Musikvereins gerecht gemacht.

Gleichzeitig mit dem 115-jährigen Bestandsjubiläum der Musikkapelle wurde 1991 auch das 30. Bezirksmusikfest des Bezirkes Schärding in Wesenufer abgehalten.

Ab 1994 begann der Musikverein eine Faschingssitzung abzuhalten. Diese Veranstaltung ist beim Publikum so beliebt, dass sie bis heute ein Fixpunkt im Veranstaltungskalender ist und alle zwei Jahre aufgeführt wird.

1996 tritt der Musikverein erstmals in neuer Tracht auf. Mit der Auflage der Vereinszeitung Allegro werden Vereinsmitglieder und Ortsbevölkerung zum Jahresende mit Wissenswertem über den Verein versorgt. 2010 geht der Musikverein Wesenufer mit seiner neu gestalteten Homepage online.

Von 2004 bis 2012 sowie den Jahren 2014, 2016, 2017 und 2018 trat der Musikverein Wesenufer bei Marschwertungen in der höchsten Leistungsstufe E (mit Show-Programm) an und konnte immer ein ausgezeichneter Erfolg erzielt werden; beim Bezirksmusikfest 2009 in Schärding wurde der Musikverein Wesenufer erstmals in der Vereinsgeschichte sogar Bezirkssieger mit der höchsten Punktezahl in der Leistungsstufe E. Diese Leistung konnte bei den Bezirksmusikfesten 2010 in Schardenberg, 2014 in Taufkirchen/Pram, 2016 in Altschwendt und 2017 in Diersbach wiederholt werden. Beim Landesmusikfest 2010 in Vöcklamarkt erreichte der Musikverein Wesenufer den 4. Rang.

Eine besondere Ehre wurde dem Musikverein im Oktober 2005 durch den OÖ. Blasmusikverband zuteil. Er vertrat das Bundesland Oberösterreich beim Landesmusikfest in Meran, Südtirol, bei dem er bei der Marschwertung in der Leistungsstufe E die zweithöchste Wertung erreichte.  Im September 2010 unternahm der Musikverein eine musikalische Reise nach Ungarn/Budapest, bei der u.a. ein Gemeinschaftskonzert mit der Musikkapelle Tát auf dem Programm stand. Im Juni 2015 durfte der Musikverein gemeinsam mit dem Musikverein Kopfing/I. das Land Oberösterreich beim Bundesblasmusikfest in Wien vertreten. Neben einem Stadtteilkonzert waren der Einmarsch auf der Ringstraße samt anschließendem Gesamtspiel am Rathausplatz die Höhepunkte der Veranstaltung.

Das 130-jährige Gründungsfest wurde 2006 mit einem großen 3-Tages-Fest gefeiert, bei dem u.a. die Militärmusik OÖ bei einer musikalischen Donauschifffahrt und anschließend im Festzelt aufspielte.

Eine besondere Freude und Ehre war die Bestellung des Kapellmeisters und Stabführers Gerhard Dopler zum Bezirksstabführer des Bezirkes Schärding im Sommer 2007 sowie dessen Bestellung zum Landesstabführer-Stv. im Oktober 2015.

Nach 1989, 1997 und 2007 wurde dem Musikverein 2013 von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer die vierte Ehrung durch das Land Oberösterreich überreicht.

Im Jahr 2016 wurde das 140-jährige Vereinsjubiläum gebührend mit einem 2-Tages-Zeltfest auf der Sportanlage der Union Wesenufer gemeinsam mit 17 Gastkapellen und zahlreichen Ehrengästen (u.a. OÖBV Präsident Kons. Mag. Josef Lemmerer) gefeiert. Am Samstag Nachmittag spielten die Jugendblasorchester beim Jugendnachmittag auf; anschließend sorgten die Raaber Blechbuam für ausgelassene Feierstimmung im Festzelt. Der Festfrühschoppen am Sonntag wurde von der Blaskapelle Czeska musikalisch umrahmt. 

Im Jahr 2017 übergab Kapellmeister Gerhard Dopler im Rahmen des Herbstkonzertes nach 18-jähriger Ausübung dieser Funktion den Taktstock an seinen Nachfolger Heimo Mitter. Außerdem wurde erstmals die neu angeschaffte Vereinstracht (angefertigt von Schneiderei Hohensinn) präsentiert.

2018 kam dem Musikverein Wesenufer die Ehre zu teil, das von Stabführer Gerhard Dopler choreographierte Show-Programm beim Schladming Tattoo im Rahmen des int. Blasmusik-Festivals Mid Europe 2018 im WM Park Planei vorführen zu dürfen. Ein zusätzliches Open Air Konzert am Schladminger Hauptplatz rundete den Musikvereinsausflug ab.

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